Ohne Hände das Leben in die Hand genommen

Der Lebenskünstler Rainer Schmidt

BRD, 2017
Dauer: 0:05 min
Ein Beitrag von Florian Beck und Christian Schnelting

Er ist Pfarrer, er ist ehemaliger Tischtennis-Weltmeister, er ist Kabarettist - und, ach ja, er hat eine Behinderung. Rainer Schmidt lebt seit Geburt ohne Arme - und was ihm da aus Sicht anderer fehlen mag, ist für ihn kein großes Thema: "Behindert machen einen die anderen" gehört zu den Lieblingssätzen des 52-Jährigen - und auf dem Erreichten Ausruhen war noch nie seine Sache: vor etwa zwei Jahren hat der Bonner eine sichere Stelle als Referent einer kirchlichen Bildungseinrichtung gekündigt und arbeitet nun freiberuflich als Kabarettist - mit viel Vergnügen und bis dato großem Erfolg. "Ich habe kurze Arme. Für Mediziner bin ich dadurch behindert, für meine Patentochter bin ich dadurch außergewöhnlich. Es ist immer eine Frage der Perspektive." Diese Haltung hat Rainer Schmidt weit gebracht: Es war ein Schock für die Eltern, als im Jahr 1965 ihr zweites Kind auf die Welt kam: Ein verkürzter Oberschenkel, statt Armen nur Stummel und einen winzigen Knubbel als Daumen an der linken Hand - Diagnose unbekannt. " Ich sehe inzwischen das Femur-Fibula-Ulna-Syndrom als Ursache an", meint Rainer Schmidt heute. Doch Gedanken über die Ursache seiner Behinderung zu machen hat er sich längst abgewöhnt. Stattdessen nimmt er in seinem Kabarettprogamm "Däumchen drehen" natürlich auch das Thema Behinderung auf - und erzählt gern die Geschichte von den Brötchen, die er im Hotel mangels geeignetem Werkzeug nicht aufschneiden kann. Die darauf folgende Beflissenheits-Kettenreaktion bringt jedes Publikum zwischen Hamburg und München zum Lachen. Ein Lachen, das ihm manchmal auch zu viel wird:"Es gibt auch einen Zwang", meint Rainer Schmidt über seine Rolle in der Öffentlichkeit. "Du musst ständig gut drauf sein. Ich darf gar nicht mehr sagen, dass es echt bescheuert ist, kurze Arme zu haben", erläutert Schmidt, der auch an Bildungseinrichtungen Vorträge zum Thema Inklusion hält.  Dieser Einsatz für das Thema Inklsion ist Rainer Schmidt extrem wichtig: "Sobald man jemanden länger kennt, sagt man nicht mehr: Das ist das Down-Syndrom, sondern das ist der Andreas. Die Eigenschaften des Menschen werden wichtiger als das Aussehen."

Ohne Hände das Leben in die Hand genommen
zuletzt im TV:
  • 14.10.2017, 12:05 Uhr - ZDF
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