Der Schäfer - frei von Corona

BRD, 2020
Dauer: 5:00 min
Ein Beitrag von Florian Beck und Christian Schnelting

Das Bild kennt jeder: ein Schäfer wandert mit seinen Tieren durch idyllische Landschaft, ihn umgeben kontemplative Ruhe und Idylle. So macht das Klemens Ross seit 46 Jahren – und so gesehen spielt die aktuelle Corona-Krise für ihn keine Rolle: er ist über Monate allein mit seinen Tieren, Social Distancing seit biblischen Zeiten. Doch der Alltag der Schäfer in Deutschland ist nicht rosig und hält auch so genug Herausforderungen bereit: wenn Klemens Ross aus dem fränkischen Lonnerstadt heute mit seinen rund 600 Schafen auf Wanderschaft geht, beginnt das mit einem LKW-Transport. Denn die Sommerweiden sind über 130 Kilometer von seinem Hof entfernt. Früher, da ist er mit seinen Schafen hoch in den Spessart gezogen, hat sich von Grünfläche zu Grünfläche mit seiner Herde vorgearbeitet. Das geht wegen der Intensivierung der Landwirtschaft und die Zersiedelung der Landschaft längst nicht mehr. So geht es vielen Schäfern – und auch deshalb geht die Zahl der Wanderschäfer in Deutschland dramatisch zurück. Ob diese Entwicklung noch aufzuhalten ist? Klemens Ross hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Denn die Schafhaltung, wie Klemens Ross sie betreibt, ist ja eigentlich genau das, was viele Menschen wollen: die Tiere werden extensiv gehalten und können fressen, was sie wollen. „Mehr Tierwohl finden Sie bei keiner anderen Tierhaltung“. Doch ausreichend bezahlen will das kaum jemand. Die Schäfer müssen sich mit Subventionen über Wasser halten – und zudem hat Klemens Ross auch nicht wirklich ein gutes Gefühl, wenn er seine Lämmer zum Schlachter bringt. Seitdem die kleinen Schlachthöfe in der Umgebung zumachen mussten, hat er keinen Einfluss mehr darauf, wie es seinen Tieren auf dem letzten Weg geht – und leidet genauso wie Tierschützer und viele andere Menschen darunter, dass sie womöglich nicht so mitfühlend behandelt werden, wie er es ihr ganzes Leben getan hat. Doch die Gesellschaft tut, so, als würde sie das nichts angehen, als wären Tierhalter wie Klemens Ross allein in der Verantwortung. Darüber könnte er sich aufregen: „Wir machen das im Auftrag der Gesellschaft – und wenn jemand Fleisch konsumiert, trägt er auch seinen Teil der Verantwortung.“

Der Schäfer - frei von Corona
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